Okt 17 2009
Widerstand sinnlos gegen Doctor Who: Der zweite Doktor
Hallo liebe Leser von Resistance is Futile! Hier “spricht” ausnahmsweise nicht Suriel, sondern wie angekündigt ein Wesen von außerhalb. Mein Name ist Julia und ich schreibe normalerweise auf 49 Suns. Im letzten Monat war ich in Urlaub und Suriel war so freundlich einen Gastbeitrag als Vertretung beizusteuern. Dies hier ist sozusagen das Gegenstück.
Dieser Gastbeitrag ist nicht der einzige, den ich schreibe und deswegen bot es sich an, dass ich eine ganze Beitragsserie schreibe. Das Thema ist die fantastische, aber hierzulande leider viel zu unbekannte BBC-Serie Doctor Who, die von 1963 bis 1989 und seit 2005 wieder in Großbritannien läuft. Worum es geht, kann man im ersten Beitrag bei endgueltig nachlesen. Kurz gesagt geht es um den Doktor, der mit wechselnden Assistenten durch Raum und Zeit reist und Abenteuer erlebt. Einige kennen vielleicht die neue Serie, von der scheinbar zufällig ausgewählte Folgen auf Pro7 im Wochenendprogramm liefen. Für diejenigen bietet sich hier die Gelegenheit, die alte Serie und die ersten acht Doktoren kennenzulernen. So viele Doktoren?! Ja, richtig gelesen, da gibt es viel zu entdecken, also legen wir los.
Worum geht es überhaupt?
Wichtig zu wissen ist, dass die Hauptcharaktere in der TARDIS (Time and Relative Dimension(s) in Space) reisen, welche wie eine blaue Polizeizelle aussieht (siehe Bild) und innen größer als außen ist. Wann und wo die TARDIS als nächstes landen wird, ist ein Glücksspiel und so werden die skurrilsten Orte und Zeiten besucht. Die Geschichten werden in zwei bis zwölf zusammenhängenden Folgen erzählt, die jeweils 25 Minuten dauern.
Kommen wir nun zu den verschiedenen Doktoren. Es handelt sich eigentlich die ganze Zeit um dieselbe Person, den Doktor, der ein sogenannter Time Lord ist und 13 Leben hat, d.h. er stirbt nicht, sondern regeneriert sich. 1966 wurde dieses ungewöhnliche Experiment gewagt, da der fast 60-jährige Darsteller des ersten Doktors, William Hartnell, mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. Er wurde ersetzt durch Patrick Troughton und die erste Regeneration (damals noch nicht so genannt) sah so aus:
Das Publikum kaufte die Geschichte ab und die Zukunft einer der erfolgreichsten Serien war gesichert. Wie in dem kurzen Video zu sehen, wurde damals noch in schwarz-weiß gedreht und dies beim zweiten Doktor beibehalten. Blieb die Frage, wie ähnlich Troughtons Doktor dem von Hartnell war, d.h. ob er dieselben Charaktereigenschaften hatte oder sich der Doktor verändert hatte und wenn ja, wie sehr.
Natürlich unterschieden sich die beiden, denn sonst wäre es für den Zuschauer langweilig und schauspielerisch sinnlos. Die Ruppigkeit des ersten Doktors verschwand und wurde durch Grimassen ersetzt. Das heißt nicht, dass Troughton ein Clown war, aber er ging die Sache lockerer an, sorgte für mehr Lacher und fand ebenso viele Fans. Andererseits zeigte er ab und zu eine beinahe manipulative Seite, die die Sache interessanter machte. Ich habe mich noch nicht entschieden, welchen ich besser finde bzw. das möchte ich auch gar nicht, denn sie haben beide ihre Qualitäten.
Fernsehen, das größte Theater der Welt
Am Ende des ersten Beitrags habe ich versprochen, dass es hier um Restaurationsarbeiten und “lost episodes” gehen soll. Und da ist die Regenerationsszene ein gutes Beispiel für. Diese paar Sekunden sind nämlich alles, was von der vierten und letzten Folge der Geschichte The Tenth Planet erhalten geblieben ist. Es existieren überhaupt keine Originalbänder mehr der ersten zwei Doktoren, weil das Aufbewahren damals nicht üblich war.
Bis in die 1970er wurden die teuren Videobänder, auf denen die Sendungen aufgezeichnet wurden, nach der Ausstrahlung wieder verwendet und neu überspielt. Ein weiterer Grund neben den hohen Kosten für Filmmaterial waren die Zuschauer, denn die wollten neues Material sehen. Es kam gar nicht gut an als bei einigen Folgen die Gelegenheit gegeben wurde, diese noch einmal zu sehen. Heutzutage natürlich unvorstellbar, aber damals betrachtete man das Fernsehen als “das größte Theater der Welt” (Zitat von BBC-Drama-Chef Shaun Sutton), was es einige Jahre zuvor wirklich gewesen war, als alles komplett live übertragen werden musste.
Rekonstruktionsarbeiten und die “Lost Episodes”
Die Frage ist, wo die heute verfügbaren Aufnahmen herkommen, wenn doch die Originalbänder gelöscht wurden. Bevor die Bänder gelöscht wurden, wurden sie auf universell nutzbaren 16mm-Film übertragen, um nach Übersee verkauft zu werden. So lief Doctor Who in den Sechzigern und Siebzigern in Neuseeland, Australien, Nigeria, Zypern, Kanada, Hongkong und Gibraltar. Nach der Ausstrahlung sollten die Filme entweder zum nächsten Land geschickt werden, zurück zur BBC oder zerstört werden. Zum Glück wurde diese Prozedur nicht immer eingehalten, denn sonst wären die Aufnahmen schlussendlich doch zerstört worden.
Der Großteil der heute verfügbaren Folgen stammt aus diesen Beständen, die wieder auftauchten als in der BBC ein Umdenken stattgefunden hatte und man daran interessiert war, die Aufnahmen für die Nachwelt zu konservieren. Ein Problem allerdings war, dass in anderen Ländern strengere Zensurgesetze galten und z.B. in neuseeländischen und australischen Bändern Szenen fehlen. Nicht alle geschnittenen Szenen wurden aufbewahrt. Dass die Szenen fehlen weiß man aus Drehbüchern und den praktisch komplett vorhandenen Audioaufnahmen. Diese wurden von Fans gemacht (Piraten!) und haben teilweise sehr schlechte Qualität, aber immerhin überlebten so alle Folgen.
Durch viele verschiedene Quellen (Übersee-Aufnahmen, geschnittene Szenen, Clips aus anderen Sendungen wie Blue Peter, Audiomitschnitte etc.) hat man einige Folgen in unglaublich mühsamer Arbeit zusammensetzen und restaurieren können. Wenn nicht alle Folgen einer Geschichte vorhanden sind, wurden diese durch Nacherzählungen ergänzt (teilweise von den Originalschauspielern), unterlegt mit Fotos vom Set. Mithilfe solcher Fotos wurden zwei Folgen der Patrick Troughton-Geschichte The Invasion als Animation ergänzt (siehe Bild unten). Bei Totalverlust wurden die Geschichten als Hörbücher veröffentlicht. Große Verdienste hat hier das Doctor Who Restauration Team geleistet, eine Gruppe Freiwilliger, die ihre Freizeit opferten, um die Geschichten aufzubereiten. Aktueller Stand sind 44 verlorene Hartnell-Folgen und 63 mit Troughton.

Doctor Who: The Invasion
Gute Einblicke liefern die verschiedenen DVD-Extras zu Techniken der Wiederherstellung, Suche nach Material etc. Ab und zu tauchen in irgendwelchen Archiven verloren geglaubte Folgen auf und nähren die Hoffnung auf eine eines Tages komplette Sammlung. Mehr Informationen gibt es im zugehörigen Wikipedia-Artikel und in den DVD-Beilegern. Überhaupt sind die DVDs sehr empfehlenswert, denn die Qualität der Aufnahmen ist gut und es gibt viele Extras (Dokumentationen, Interviews, Audiokommentare mit Schauspielern, Produzenten, Regisseuren, Bühnenbildner,…). Es gibt zu fast jeder Folge neben dem Audiokommentar einen sogenannten Trivia Track, wo per Untertitel allerlei Informationen eingeblendet werden. Das ist sehr interessant und es macht Spaß alle Folgen drei Mal zu sehen (1x normal, 1x mit Audiokommentar, 1x mit Trivia Track).
Acht Folgen kostenlos online anschauen
Wie auch vom ersten Doktor gibt es zwei Geschichten zu je vier Folgen bei blinkbox. Das ist eine legale Seite, die am Anfang und zwischendurch ein paar Sekunden Werbung zeigt und offiziell von der BBC die Folgen zur Verfügung gestellt bekommen hat. Ein besonderes Schmankerl ist Tomb of the Cybermen (Folge 1) aus der 5. Staffel, wo der Doktor auf einen seiner wiederkehrenden Erzfeinde trifft. The Krotons (Folge 1) ist eine Art “Time Machine meets Doctor Who” und ebenfalls sehenswert.

Doctor Who bei Blinkbox
Resistance is Useless
Um noch den Bogen zur Überschrift und zu Suriel zu kriegen, muss ich ein wenig in die Zukunft springen. Es gibt eine Fan-Dokumentation von 1992 mit diesem Namen, doch schon in den Siebzigern finden wir eine Verbindung. In der 16. und 17. Staffel (4. Doktor) schrieb ein gewisser Douglas Adams die Drehbücher für drei Geschichten und ein Jahr später veröffentlichte er ein Radio-Buch-Serien-Konstrukt namens Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, das evtl. dem einen oder anderen bekannt ist. Und in diesem Buch taucht der Satz Resistance is Useless öfter mal auf. Bogen geschlossen!
In der nächsten Folge der Beitragsserie wird es bei Martin um den dritten Doktor, Time Lords, Farbe und UNIT gehen.
Nachtrag: Link zum nächsten, dritten Beitrag







:clapping_mini_ee: Ein echt klasse Beitrag Julia, vielen vielen Dank dafür
Wie eben auch bei Sascha und Julia mitgeteilt, bin ich nach den ersten zwei Beiträgen zu Doctor Who vollkommen begeistert. Wirkliche tolle Artikel, die auch meinen Blog bereichern werden. Ich kann nicht oft genug sagen, wie klasse ich diese Aktion finde.
Übrigens hab ich früher meine Videokassetten auch immer überspielt, was ich heute bereue. Seitdem heb’ ich alles (digitales) auf.
Auch in diesem Video ist die Musik recht psychodelisch – gefällt mir sehr gut. Da kann ich mir gut vorstellen, dass die Serie “Kult” ist – und ich wundere mich, weshalb der Kelch bislang an mir vorüber ging.
@plerzelwupp: N erstmal Willkommen auf meinem Blog :happy_mini_ee: . Bei mir ist Dr. Who einfach schon Ewigkeiten her und ich bin auch voll begeistert von Julias Beiträgen und freue mich schon auf den Rest
[...] Link zum nächsten, zweiten Beitrag Abgelegt von JuliaL49 in Gastbeitrag, Sehenswert am 12. Oktober 2009 Schlagworte: 49Suns, Doctor [...]
hmm, doctor who + douglas adams = city of death = beste folge die ich bisher gesehen habe.
von troughton allerdings hab ich noch gar nix gekuckt.
Oh, City of Death habe ich noch vor mir. Von Troughton kann ich neben Tomb of the Cybermen, vor allem The Invasion und The War Games empfehlen.